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Hannu Takkula : "Über Sport können Werte wie z. B. Gesundheit und Toleranz sehr gut vermittelt werden"

Actualité 11.03.2011

In Zusammenarbeit mit der europäischen Denkfabrik Sport et citoyenneté (Sport und Bürgerschaft) veröffentlicht Touteleurope.eu diesen Monat ein Interview mit Hannu Takkula (ADLE). Angesichts der allgegenwärtigen Sparauflagen und der Rolle des Sports in der Strategie „Europa 2020“ ist es höchste Zeit, vor allem den Breitensport wirklich zu unterstützen. Der finnische Europaabgeordnete Hannu Takkula erklärt warum.

Welchen Stellenwert hat der Sport in der finnischen Gesellschaft und dem Alltag der Finnen?

HT: In Finnland stellt Sport und alles, was damit verbundenen ist, die größte „nationale Bewegung“ dar. Er ist im Alltag allgegenwärtig, was man allein an dem beträchtlichen Platz sehen kann, der ihm in Presse und Fernsehnachrichten eingeräumt wird. Auch zur Gesundheitserziehung der Finnen ist Sport sehr angesagt, sowohl im öffentlichen als auch privaten Sektor. Über Sport können Werte wie z. B. Gesundheit und Toleranz sehr gut vermittelt werden. Er kann Aktivitäten zur Bekämpfung von Rassismus, Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit oder Homophobie sehr wirkungsvoll beeinflussen bzw. unterstützen.



Der 2007 ins Leben gerufene Think Tank reflektiert über Rolle und Stellenwert des Sports in den europäischen Gesellschaften. Alle drei Monate veröffentlicht er eine Zeitschrift zu dieser Thematik.


Sie sind einer der fünf Urheber der schriftlichen Erklärung über eine stärkere Unterstützung des Breitensports durch die EU, die am 16. Dezember vom Europäischen Parlament angenommen wurde. Was erwarten Sie sich von dem Text?

HT: Sport spielt, trotz seiner neuen gesetzlichen Grundlage, auf EU-Ebene noch immer eine eher untergeordnete Rolle. Erfreulicherweise wurde aber zumindest sein hoher Stellenwert im Alltag und sein positiver Einfluss auf die gesamte Gesellschaft auf EU-Ebene inzwischen offiziell anerkannt. Meinen Kollegen und mir war klar, vor welch großen Herausforderungen der EU-Haushalt angesichts der starken Sparzwänge steht, und deshalb haben wir – allesamt leidenschaftliche Sportler – diese schriftliche Erklärung in die Wege leiten wollen. Wir wollten dabei vor allem den freiwilligen und populären Aspekt des Sports hervorheben, denn viel zu oft werden mit Sport nur große Organisationen, Spitzenathleten und Spitzenwettkämpfe assoziiert. Indirekt wollten wir auch die Tatsache unterstreichen, dass Sport der Gesundheit sehr zugute kommt. Ich war schon immer der Ansicht, dass jeder für den Breitensport ausgegebene Euro mindestens zwei Euro an Einsparungen bei den Sozialkosten, vor allem den Gesundheitskosten, bewirken kann. In den Sport muss einfach investiert werden, denn er wird auf lange Sicht immer zu Kosteneinsparungen führen und Europas Wettbewerbsfähigkeit erhöhen. Die von mehr als 400 Europaabgeordneten unterschriebene schriftliche Erklärung hat dazu beigetragen, dass sich sowohl die Politiker als auch die Öffentlichkeit dieser Fragen noch stärker bewusst werden.


Aber wie soll der gute Wille zu konkreten Aktionen führen, wenn es kein eigenes Budget für den Sport gibt?

HT: Genau das ist die große, schwierige Herausforderung. Wie schon erwähnt, hoffen wir, dass unsere schriftliche Erklärung die Aufmerksamkeit der Politiker und der breiten Öffentlichkeit verstärkt auf die positiven Aspekte des Sports lenkt. Ich befürchte allerdings, dass die einzelnen Mitgliedsstaaten augenblicklich über die allgemeinen Prinzipien und den Nutzen des Sports nicht wirklich Bescheid wissen. Sie neigen dazu, den Breitensport einzig und allein dem ehrenamtlichen Bereich zu überlassen, welcher dieser Herausforderung im Übrigen sehr gut gewachsen ist. Aber eben aufgrund des großen gesellschaftlichen Nutzens, den der Sport bringt, brauchen wir auch eine zentralisierte Aktion. Indem wir diesen Nutzen einer noch breiteren Öffentlichkeit darlegen, können wir innerhalb der EU mehr Unterstützung gewinnen. Die Europäische Kommission hat übrigens die breite Öffentlichkeit zum Thema Sport konsultiert und dessen Nutzen für die EU-Bürger erkannt. Wir hoffen letztendlich, dass dem Sport bald ein eigener Haushalt zugedacht wird. Damit könnten wir noch avantgardistischere Aktionen ins Auge fassen.