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Stand der grünen Parteien in Europa, von Saskia Richter

Actualité 19.04.2012

Im Hinblick auf die kommenden Wahlen in Frankreich veröffentlicht Totueleurope.eu eine Serie an Interviews über die politischen Parteien in Europa. Saskia-Richter, post-Doktorandin am Civil Society Center der Zeppelin-Universität in Friedrichshafen zieht die Bilanz der grünen Parteien in Europa.

Touteleurope.eu: Wie könnte man heute die Umweltparteien (les “partis écologiques”) in Europa definieren ?

Saskia Richter: Die Umweltparteien in Westeuropa sind aus den Neuen Sozialen Bewegungen der 1970er Jahre entstanden. Sie sind Kinder des Postmaterialismus und haben die Themen Frieden und Ökologie zum Kern ihrer Parteiprogramme gemacht.

Die Umweltparteien in Osteuropa sind durch die friedliche Revolution von 1989/90 geprägt und haben ihre Wurzeln zum Teil in konservativ-ländlichen Gegenden. Je nach Ursprung sind die grünen Parteien mögliche Koalitionspartner für Sozialdemokraten oder konservative Parteien.

Touteleurope.eu: Gibt es heutzutage unterschiedliche Umwelt-Bewegungen in Europa? Wenn ja, welche? 

Saskia Richter: Es gibt nach wie vor die pragmatisch-ökologischen Bewegungen, die die grüne Politik bspw. in Deutschland und in Österreich tragen. Die Grünen in Lettland, Bulgarien und Ungarn sind konservativ ausgerichtet.

Touteleurope.eu: Wie könnte man die französische Umwelt-Partei in Bezug auf die anderen europäischen ‘grünen’ Parteien situieren?

Saskia Richter: Die Grünen "Les Verts" in Frankreich sind links orientiert. Ihr Ursprung ist in der Ökologie-Bewegung der 1970er Jahre zu finden. Noch heute sind Wahlhochburgen in den Großstädten. Insgesamt ist der Einfluss der Grünen jedoch gering.

Auch nach der Vereinigung mit dem Wahlkollektiv "Europa Ökologie" bleibt der Einfluss gering, auch wenn die Grünen in Frankreich das Thema Atomausstieg besetzen und vorantreiben konnten

Touteleurope.eu: In welchen Europäischen Ländern sind diese Umwelt-Parteien am mächtigsten? Und am schwächsten?

Saskia Richter: Relativ stark sind die Umweltparteien sicherlich in Deutschland, wo sie in Landesparlamenten vertreten sind und die Regierungspolitik auf nationaler Ebene zwischen 1998 und 2005 geprägt haben. Auch kann die Energiewende hier als Erfolg grüner Politik gewertet werden.

Relativ schwach sind Grüne Parteien in Großbritannien: Obwohl sie sich hier 1973 als erste Grüne Partei in Europa gegründet haben, sind sie aufgrund des Mehrheitswahlrechts benachteiligt. Dennoch gelang es 2010 erstmals, einen Sitz im Unterhaus zu gewinnen.

 

Touteleurope.eu: Gibt es eine gemeinsame europäische Vision unter den verschieden Umweltparteien?

Saskia Richter: Eine gemeinsame Europäische Vision? Diese lässt sich wohl von der 2004 gegründeten "European Green Party" ableiten, in der sich 36 Grüne Parteien aus Europa zusammenfinden. In ihrer Charta von 2006 legten sie fest, dass die Europäischen Grünen mit "Überzeugung für eine nachhaltige Entwicklung der Menschheit auf dem Planeten Erde, für eine Entwicklungsweise, die die Menschenrechte achtet und auf den Werten Verantwortung für die Umwelt, Freiheit, Gerechtigkeit, Diversität und Gewaltfreiheit aufbaut".