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Maria Badia i Cutchet: „Sport kann helfen, eine gemeinsame Identität zu stiften

Actualité 03.01.2011

In Zusammenarbeit mit der europäischen Denkfabrik Sport et citoyenneté (Sport und Bürgerschaft) veröffentlicht Touteleurope.eu diesen Monat ein Interview mit der spanischen Europaabgeordneten Maria Badia i Cutchet (S&D), Mitglied des Ausschusses für Kultur und Bildung im Europäischen Parlament. Das Interview stammt aus der vierteljährlich erscheinenden Zeitschrift der Denkfabrik.

 

 

Welche Ziele lagen der öffentlichen Anhörung zur künftigen europäischen Sportpolitik zugrunde, die am 18. November vergangenen Jahres im Europäischen Parlament abgehalten wurde?

MBiC: Mit dem Vertrag von Lissabon verfügt die Europäische Union über neue Kompetenzen im Bereich Sport und hat sich zum Ziel gesetzt, eine gemeinsame europäische Politik in diesem Bereich zu erarbeiten. In diesem Kontext hat der Ausschuss Kultur und Bildung des Europäischen Parlaments die öffentliche Anhörung von Vertretern aus Sportverbänden, dem Europäischen Olympischen Komitee, der Zivilgesellschaft und Universitäten durchgeführt. Gemeinsam sollte untersucht werden, wie und in welchen Bereichen die EU sich im Sport engagieren soll.




Der 2007 ins Leben gerufene Think Tank reflektiert über Rolle und Stellenwert des Sports in den europäischen Gesellschaften. Alle drei Monate veröffentlicht er eine Zeitschrift zu dieser Thematik.

Die Anhörung der Sachverständigen gab den anwesenden Europaabgeordneten und Mitgliedern der Europäischen Kommission die Gelegenheit, sich ein Bild über die unterschiedlichen Standpunkte und Interessenlagen – im Spitzen- und Profisport bis hin zum Amateursport – sowie die Implikationen auf gesetzgeberischer Ebene zu machen. Wir brauchen eine solide Sportförderpolitik, um unsere Lebensqualität zu verbessern und zwischen Elitesport und dem Sport, den Millionen Europäer treiben, ein Gleichgewicht herzustellen. .


Die Europäische Kommission will bis Jahresende ihre Mitteilung zum Sport vorlegen. Was erwarten Sie davon?

MBiC: Die Mitteilung der Kommission wird vom Ausschuss für Kultur und Bildung geschlossen begrüßt und seit Einführung der Zuständigkeit Sport im Vertrag von Lissabon sehnlich erwartet. Dieses Dokument wird die wesentliche rechtliche Grundlage für alle Politiken sein, die wir auf europäischer Ebene durchführen können. Wir hoffen, dass der Text auf alle Prioritäten eingeht, die wir im Bereich Sport herausgestellt haben: Sport als Instrument für soziale Eingliederung und Zusammenhalt, Kampf gegen Doping und Betrug, Hervorhebung des Beitrags für die Gesundheit, Sport in der Schule … Selbstverständlich kann die Mitteilung nicht alle mit Sport und der künftigen Gesetzgebung in Verbindung stehenden Problematiken behandeln. Doch als allererstes Dokument und Symbol sollte es die wichtigsten Prioritäten aufgreifen.



Sie haben vergangenen November an der von der Brüsseler Denkfabrik „Sport et Citoyenneté“ veranstalteten Konferenz zum Thema „Sport und europäische Bürgerschaft“ teilgenommen. Kann Sport Ihrer Meinung nach zur Herausbildung einer europäischen Bürgerschaft beitragen?

MBiC: Sport kann tatsächlich ein wirksames Instrument zur Stärkung des Zusammenhalts in den europäischen Gesellschaften sein. Sport macht nicht nur Spaß, sondern führt Menschen zusammen, kann Schranken einreißen. Genau deshalb ist Sport so wichtig, weil er Menschen aus verschiedenen Kulturen zusammenbringt, in Proficlubs genauso wie in Amateurmannschaften, egal, ob im Wettkampf oder „einfach zum Spaß“. Seine soziale Komponente, seine Rolle im interkulturellen Dialog, für sozialen Zusammenhalt, im Kampf gegen Ausgrenzung und Diskriminierung, kann beachtlich sein. Wir dürfen die Gelegenheit nicht verpassen, von diesem Potenzial guten Gebrauch zu machen. Darüber hinaus sind alle eben aufgezählten Elemente Grundelemente des europäischen Projekts; schon deshalb kann Sport mit Sicherheit helfen, eine gemeinsame Identität zu stiften.

Das Europäische Jahr der Freiwilligentätigkeit dürfte eine ausgezeichnete Gelegenheit sein, einige dieser Fragen anzupacken und gegebenenfalls Fortschritte zu erzielen. Das Europäische Parlament will aber zunächst einmal sehen, welche Prioritäten die Kommission steckt.

 

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Sport et citoyenneté - Brüsseler Denkfabrik, spezialisiert auf Fragen im Zusammenhang mit Sport und Bürgerschaft