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Doris Pack: „Im Sport spiegeln sich viele europäische Werte wider“

Actualité 30.06.2010

In Zusammenarbeit mit dem europäischen Verein Sport et citoyenneté (Sport und Bürgerschaft), veröffentlicht Touteleurope.fr ein Interview mit der Europaabgeordneten Doris Pack (PPE – DE), Vorsitzende des Ausschusses für Kultur und Bildung im Europäischen Parlament. Das Interview entstammt der vierteljährlich erscheinenden Zeitschrift des Vereins.

Sport et Citoyenneté : Von Ihnen ging die Initiative zum Europäischen Jahr der Erziehung durch Sport 2004 aus. Gibt es derzeit noch Projekte, die zu diesem Anlass ins Leben gerufen wurden?



Der 2007 ins Leben gerufene Think Tank denkt über die Rolle und den Stellenwert des Sports in den europäischen Gesellschaften nach. Eine Zeitschrift zu dieser Thematik erscheint aller drei Monate.

Doris Pack : Das Europäische Parlament interessiert sich in der Tat seit langem für Sport. Seit den Vorbereitungen für das Europäische Jahr der Erziehung durch Sport 2004 verfolgen wir die Entwicklungen im europäischen Sport mit sehr viel mehr Aufmerksamkeit.

Das Europäische Jahr der Erziehung durch Sport war ein großer Erfolg. Viele auf diesem Gebiet tätige Organisationen haben sich engagiert bzw. bereit erklärt, sich an dieser Initiative zu beteiligen. Auf die von der Kommission veröffentlichte Ausschreibung hin trafen damals etwa 1600 Aktionsvorschläge ein. Auch wenn mit dem bewilligten Budget letztendlich nur 160 davon finanziert werden konnten, hat das Europäische Jahr doch einen entscheidenden Beitrag zur Netzwerkbildung und zur Einbindung der EU-Bürger in diverse Sportprojekte geleistet.

Einige Projekte wurden langfristig angelegt, zum Beispiel das Projekt EAS (European Athlete as Student), das Athleten die Möglichkeit bietet, neben ihrer sportlichen Tätigkeit eine Berufsausbildung zu absolvieren, womit ihnen eine „doppelte Karriere“ erleichtert werden soll. Dass solche Projekte nach sechs Jahren immer noch existieren, ist der Beweis, dass sie der sportlichen Gemeinschaft einen echten Mehrwert bieten. Darauf bin ich sehr stolz. Letztendlich hat das Europäische Jahr dem Sport auch in verschiedenen mehrjährigen Programmen, wie etwa dem Programm „Jugend in Aktion“, einen größeren Stellenwert eingeräumt.

2008 hat das Parlament in den Haushalt von 2009 eine vorbereitende Maßnahme im Bereich des Sports aufgenommen, die zahlreichen Sportprojekten mit europäischer Dimension finanzielle Unterstützung gewährt.
Mehrere Projekte laufen zurzeit. Im Prinzip wird diese Maßnahme bis nächstes Jahr verlängert.

Sport et Citoyenneté : Können Sie uns etwas mehr zu den Themen sagen, die im Europäischen Parlament im Bereich des Sports zurzeit verfolgt werden?

Doris Pack : Das Parlament ist stolz darauf, dass der Vertrag von Lissabon der Europäischen Union eine größere Kompetenz in Sachen Sport eingeräumt hat. Ohne diese zusätzliche Kompetenz waren die politischen Initiativen der Union eher begrenzt. Die Debatten wurden von den Binnenmarktgesetzen und deren Auslegung durch den Europäischen Gerichtshof dominiert. Wir hatten aber den Eindruck, dass diese juristische Situation in der Welt des Sports und vor allem auf Ebene des Amateursports und des Sports für alle nicht der Wirklichkeit entsprach. Das Weißbuch der Europäischen Kommission war ein erster entscheidender Schritt, um dieser Situation Abhilfe zu schaffen.

Seit Inkrafttreten des Vertrags von Lissabon verfügt die Union über ein neues Werkzeug, mit dem sie besser auf die Erwartungen der Sportwelt eingehen kann. Die Besonderheit des Sports ist jetzt schriftlich im Vertrag verankert. Im Urteil zum Fall Bernard hat der Gerichtshof sich übrigens bereits auf diesen neuen Aspekt berufen.

Die Aussicht auf die neue, erweiterte Kompetenz gab dem Europäischen Parlament ebenfalls die Möglichkeit, eine vorbereitende Maßnahme einzuführen, dank der die Kommission Projekte finanzieren konnte, die zur Annäherung der Sportwelt und der Union beitragen sollen. Ein enger Dialog zwischen Sportwelt und Union ist nämlich das beste Mittel, juristische Konflikte zu vermeiden.

Jetzt hoffen wir, dass die Kommission eine Mitteilung über den Sport sowie einen Vorschlag zur Einrichtung eines neuen Programms zur finanziellen Unterstützung vorlegt. Der Sport hat ein derartiges Programm, das dem Sektor direkte Unterstützung bringen würde, verdient. Wir erwarten ebenfalls, dass die Kommission ihre Vorschläge zur Einrichtung einer europäischen Sportpolitik bekanntgibt. Auf Grundlage von Berichten unseres Ausschusses hat das Parlament bereits mehrmals zur Entwicklung der europäischen Sportpolitik Stellung genommen und mit Sicherheit werden wir auch die neuen Vorschläge der Kommission genauestens abwägen. Die Besonderheit des Sports muss das Fundament einer solchen Politik sein. Ich wünsche, dass die Kommission die Erwartungen des Parlaments in gleicher Weise berücksichtigt wie die des Rates.

Der parlamentarische Ausschuss, dessen Vorsitzende ich bin, hat kürzlich eine Anfrage an die Kommission gerichtet, über ihre Pläne bezüglich der Frage der Sportagenten. Wir glauben, dass gewisse Aktivitäten der Sportagenten Probleme mit sich bringen, die nicht ignoriert werden dürfen. Die Union kann diesbezüglich eine aktivere Rolle einnehmen, indem sie die Sportorgane bei ihren Anstrengungen zur Beilegung solcher Probleme unterstützt.

Sport et Citoyenneté : In dieser Ausgabe geht es um die Beziehungen zwischen Sport und Medien. Wird ihr Ausschuss diesen Schwerpunkt aufgreifen und die Werte des Sports vor den Medien verteidigen?

Doris Pack : Wie sie wissen, setzt sich das Parlament seit eh und je für Solidarität im Sport ein – Solidarität zwischen Berufs- und Amateursportlern, zwischen reichen und weniger reichen Klubs und zwischen Elite- und Massensportarten. Ein besseres ökonomisches Gleichgewicht zwischen gegnerischen Klubs macht den Wettkampf aus sportlicher Sicht viel interessanter. Das ist ein Aspekt der Besonderheit des Sports. 

Eine große Rolle spielen dabei die Einnahmen aus dem Verkauf von Medienrechten. Im Fußball machen sie zum Beispiel mehr als ein Drittel der Jahreseinnahmen der größten Klubs aus. Dies veranlasste das Parlament, sich in seinen letzten Entschließungen für die gemeinsame Vermarktung von Sportmedienrechten stark zu machen.  

Sport et Citoyenneté : Der Sport ist ohne Zweifel ein transversales Thema, das zahlreiche Sphären (Wirtschaft, Soziales, Erziehung…) berührt. Wie kann das Parlament bzw. die Abgeordneten auf diesem Gebiet alles verfolgen, insbesondere wenn man an die Beziehung zwischen Sport und Medien denkt?

Doris Pack : Der Sport verbindet unter anderem soziale, wirtschaftliche und erzieherische Aspekte, denn er ist ein Teil unserer Gesellschaften. Im Sport spiegeln sich viele unserer Werte wider: Respekt des Anderen, Vielfalt, Respekt gemeinsamer Regeln, Solidarität. Sportliche Aktivität ist eines der sichtbarsten Zeichen der Vitalität unserer Demokratien. Sport hat ein sehr großes Integrationspotenzial. Natürlich sind mit gewissen Profisportarten auch sehr große Geschäfte verbunden.

Das wäre jedoch unmöglich ohne die Unterstützung der Millionen Bürger, die ihrerseits diese Sportarten privat betreiben. Es ist wichtig, dass die Menschen Sport treiben, umso mehr, wenn man die Probleme Betracht zieht, mit denen die europäische Bevölkerung zu kämpfen hat   fortschreitende Überalterung, Übergewicht, Fettleibigkeit ...


In dieser Hinsicht können die Medien eine grundlegende Rolle spielen, indem sie sich für sportliche Betätigung stark machen. Auch die Politik sollte sich zum Ziel setzen, in Zukunft die sozioökonomische, erzieherische und gesundheitsfördernde Funktion des Sports zu erhalten, wenn nicht zu stärken. 

 

Mehr dazu:

[FR] Le site de Sport et Citoyenneté 

[EN] Site of the Committee on Culture and Education

[FR]Dossier Coupe du Monde de football et Europe - Touteleurope