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Damien Abad: „Jugendpolitik gemeinsam mit jungen Menschen entwickeln“

Actualité 04.10.2010

In Zusammenarbeit mit dem europäischen Verein Sport et citoyenneté (Sport und Bürgerschaft), veröffentlicht Touteleurope.eu ein Interview mit dem Europaabgeordneten Damien Abad (PPE – FR).


Seit März 2009 sitzen Sie als jüngster Abgeordneter im Europäischen Parlament. Sie sind darüber hinaus Vorsitzender der „Intergroup Jugend“ des Europäischen Parlaments. Können Sie uns diese informelle Gruppierung und ihre Ziele näher vorstellen?

Damien Abad: Als jüngster französischer Europaabgeordneter war es eine meiner Prioritäten, eine Gruppe, die sich speziell mit Fragen junger Menschen befasst, aus der Taufe zu heben. Glücklicherweise haben wir mit der Unterstützung meiner Fraktion (EVP) diese Intergroup gründen können, die Parlamentarier aus allen Mitgliedsländern und Fraktionen (S&D, Grüne, ADLE) vereint. Wir arbeiten parteienübergreifend zu ganz grundlegenden Themen wie Jugenderwerbstätigkeit in Europa, europäische Kultur, Mobilität, Zugang junger Menschen zu Dienstleistungen, zu Sport und Kultur. Junge Menschen sehen sich noch immer mit Situationen konfrontiert, die mit verschiedenen, ganz eigenen Schwierigkeiten aufwarten. Deshalb hat die Europäische Kommission vor kurzem die erste wirklich globale Strategie für die Jugend in Europa vorgelegt, und damit ihren Kurs für das kommende Jahrzehnt festlegt.



Der 2007 ins Leben gerufene Think Tank denkt über die Rolle und den Stellenwert des Sports in den europäischen Gesellschaften nach. Eine Zeitschrift zu dieser Thematik erscheint aller drei Monate.

Wie können uns nicht mehr mit einer Politik für Jugendliche begnügen: Wir wollen mit den jungen Menschen eine Jugendpolitik entwickeln. Wir müssen die politische Erneuerung der Europäischen Union nutzen, um diese Zukunftsfrage ins Zentrum des Europäischen Parlaments zu stellen. Mit der Intergroup verfolgen wir drei große Ziele, die in meinen Augen die drei wichtigsten Herausforderungen für die Zukunft der jungen Generation darstellen: junge Menschen verstärkt zu einer aktiven Bürgerschaft ermutigen; Jugendpolitiken verstärken, indem laufende Initiativen und Programme, insbesondere in Sachen Mobilität und Autonomie, gezielt politisch begleitet werden; neuen Initiativen und Ideen zugunsten der jungen Generation, wie z.B. der Ausweitung des Erasmus-Programms auf Auszubildende, zu europäischer Tragweite verhelfen.


Das Europäische Parlament ist sehr aktiv in Sachen Sport, und insbesondere was dessen gesellschaftliche Auswirkungen (soziale Einbindung, Gesundheit, Koedukation …) betrifft. Wie stehen Sie zu dieser Aktivität, die Millionen Europäer verbindet? Hat der Sport einen Platz in den Arbeiten der „Intergroup Jugend“?
 
Damien Abad: Auch wenn mein Mandat als Europaabgeordneter mir nur wenig Freizeit lässt, treibe ich weiterhin regelmäßig Sport! Früher habe ich auf hohem Niveau Tischtennis gespielt, wo ich als gesund eingestuft war. Ich ging auch regelmäßig schwimmen und Fußball spielen. Ich bin ein großer Fussball-Fan!

Das Ausüben eines Sports hilft jungen Menschen einerseits, sich dem anderen zu nähern, und vermittelt andererseits grundlegende Werte wie Respekt, Miteinander, Menschlichkeit. Sportliche Siege und Niederlagen sind Lektionen fürs Leben, ebenso das Über-sich-Hinauswachsen im Sport und die Lust, alles zu geben, sei es für sich selbst im Einzelsport, sei es für seine Mannschaft.
Um auf die Arbeit der Intergroup zu sprechen zu kommen: Wir haben uns noch nicht näher mit Themen wie Sport und Bürgerschaft befasst, weil wir zunächst einmal andere Problemfelder vornan gestellt haben, die mehr mit Beschäftigung, Berufseinstieg und Mobilität junger Menschen zu tun haben. Aber wie Sie wissen, verleiht der Vertrag von Lissabon der Union eine neue gemeinschaftliche Zuständigkeit in Sachen Sport. Wir werden das Thema also in diesem Rahmen in der laufenden Legislaturperiode anpacken!

In diesem Quartal widmen wir dem Behindertensport in Europa ein Spezialdossier. Sie selbst leiden unter einer seltenen Krankheit, der Arthrogrypose. Wie stehen Sie zum Sport? Hat die Ausübung eines Sports Ihnen geholfen, mit Ihrer Behinderung besser umzugehen?

Damien Abad: Jacques Delors hat einmal gesagt: „Sport liefert einen entscheidenden Beitrag zur Erziehung aller Menschen, zur Brüderlichkeit und zum Willen, miteinander zu leben.“

Ich glaube zutiefst an die Werte der Eintracht und des Miteinanders, die durch Sport vermittelt werden. Gemeinsam mit anderen Menschen eine Dynamik aufzubauen ist meines Erachtens einer der wichtigsten Werte. Speziell in Bezug auf den Behinderten-sport ist es ganz wichtig, dass jeder Mensch Zugang zu dem Sport hat, den er machen möchte. Was mich betrifft, so habe ich bei meiner sportlichen Betätigung ausschließlich positive Momente erlebt! Der französische Behinderten¬sport¬verband zählt, glaube ich, etwa 35.000 Mitglieder und umfasst zahlreiche regionale Komitees.
Damien Abad, MdEP, Vorsitzender der „Intergroup Jugend” des Europäischen Parlaments.
Das Tischtennis- oder Fußballspielen hat mir nicht nur geholfen, mit meiner Behinderung umzugehen, es hat mir erlaubt, über sie hinauszuwachsen. Wir sind alle unterschiedlich in unserer Identität, aber vor dem Sport, den Wettkämpfen, vor Siegen oder Niederlagen sind wir alle gleich. Was zählt ist nicht die reine Performance, sondern dass man versucht, ein Stück über sich hinauszuwachsen.

Wo muss Ihrer Meinung nach angesetzt werden, um den Behindertensport voranzubringen, auf nationaler wie auf europäischer Ebene?

Damien Abad : Der französische Behindertensportverband kam 2006 bei den Winter-Paralympics in Turin auf den vierten Platz. Um auf das Siegerpodest zu kommen, müssen wir noch besser werden, unsere Athleten besser trainieren. Die Zahl der zugänglichen Disziplinen und das Angebot an Wettkämpfen für junge Behinderte, wie z.B. die „Jeux de l’Avenir“ oder der „Grand Prix National des Jeunes“, müssen erweitert werden. Die Initiative „Challenge Handijeunes“ der französischen Bank Société Générale ist in diesem Sinne ein ausgezeichnetes Mittel, um behinderten Jugendlichen, die sich wahrscheinlich nicht auf Anhieb einem Sport widmen würden, den Zugang zu erleichtern.

Auf europäischer Ebene ist es meines Erachtens ganz wesentlich, Strukturen, die sich dem Sport widmen, wie z.B. das Europäische Paralympische Komitee, bekannter zu machen und einen ganzheitlichen Ansatz des europäischen Sportes zu fördern. Alle Einwohner der Europäischen Union müssen Zugang zu sportlichen Aktivitäten haben. Dabei müssen unter anderem die speziellen Bedürfnisse unterrepräsentierter Gruppen berücksichtigt werden. Sport muss eine Rolle bei der Förderung der Geschlechter-gleichheit und der Eingliederung behinderter Menschen spielen.

Die EU hat bereits eine Strategie zur der Eingliederung und Gleichbehandlung von Menschen mit Behinderungen entwickelt. In ihrem Aktionsplan zur Umsetzung der Strategie für Menschen mit Behinderungen erkennt die Kommission die wichtige Rolle des Sports bei der Eingliederung behinderter Menschen an.

Es müssen aber noch mehr spezifische Anstrengungen unternommen werden, um behinderten Menschen den Zugang zu Sportclubs, Infrastrukturen und Sportarten zu erleichtern und um sicherzustellen, dass deren spezifische Bedürfnisse berücksichtigt werden, nicht zuletzt auch in der Schule.