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Aufbruch in den Westen, Berlin öffnet seine Grenzen

Actualité 09.11.1989

Von unserem Korrespondenten in Berlin

Heute ist eine erste Bresche in die Berliner Mauer geschlagen worden. Die Schleusentore sind endlich unter dem Druck der Demokratie-Erwartungen der osteuropaïschen Völker aufgebrochen.In Berlin aber, von wo ich spreche, scheint dieses wichtige Ereignis fast versehentlich stattgefunden zu haben.

Als Günter Schabowski am frühen Abend eine Pressekonferenz abhielt, unterlief ihm tatsächlich folgendes „Versehen“. Es ist 18 Uhr, als die Pressekonferenz von Günter Schabowski beginnt. An der Tagesordnung gab es nichts Ungewöhnliches; eine Rede über die Reform der Partei, die bereits so verbraucht war, dass die Journalisten fast eingeschlafen zu sein schienen.

Jedoch fünfzig Minuten nach dem Beginn der Pressekonferenz sorgt die fast naiv erscheinende Frage eines italienischen Journalisten plötzlich für lautes Stimmengewirr. „Wird es besondere Maßnahmen für den Transit und Reisen in den Westen geben?“ fragte er. Nach einem Moment der Unschlüssigkeit verkündete Günter Schabowski, der im Fernsehen übertragene Pressekonferenzen noch nicht gewöhnt war, dass „Ostdeutsche gegen einfache Vorlage eines von der zuständigen Abteilung von Pass- und Meldewesen der Volkspolizeikreisämter ausgestellen Visums das Land verlassen werden können“. Die Journalisten wachen auf: „Ab wann wird die Bevölkerung verreisen können?“. Der über das im Konferenzsaal durch seine Mitteilungen ausgelöste Interesse sichtlich überraschte Herr Schabowski scheint die Tragweite seiner Ankündigungen nicht zu begreifen.

Retrouver le témoignage de Henri de Bresson ancien correspondant du Monde à Berlin le 9 novembre 1989.
Interviewé par touteleurope.fr, il livre ses souvenirs sur cette fameuse conférence de presse où les autorités est-allemandes annoncent l'ouverture du mur. Il raconte aussi les scènes euphoriques de retrouvailles entre les Berlinois après 28 années de séparation.

Die Nachricht verbreitet sich rasend schnell in den Presseagenturen und Fernsehkanälen der ganzen Welt: „Die ostdeutschen Grenzen sind offen“. Etwas Unwirkliches geht in Berlin vor sich. Die Leute verlassen ihre Wohnungen, um zu wissen was genau geschieht.

Im Mauerbereich ist die Nacht eiskalt. Die Mauer scheint die zuerst angekommen Leute, die zögerlich auf die Grenzsoldaten zugehen, vor dem Wind zu schützen. Die Absperrungen sind noch zu. Niemand hat diese Grenzsoldaten informiert. Gegen das Volk werden sie nicht lange standhalten können.

Immer mehr Menschen versammeln sich. „Nein, nein, nein“ schreien die Soldaten, die versuchen, diese Menschemenge aufzuhalten. Sie bleiben jedoch zurückhaltend und zeigen sich weniger aggressiv als im Normalfall. Der Befehl wurde erteilt, dass ab Mitternacht sämtliche Personen mit einem Personalausweis in den Westen gehen werden können.
Die Trabi-Schlangen füllen die Straßen und reichen bis in das Stadtzentrum hinein. Sehr schnell werden die Grenzübergänge zum Westen von Menschen überströmt, die gekommen sind um dieses Ereignis, nämlich den Umbruch ihrer Welt, mitzuerleben, was sie noch kaum zu glauben wagen.

Viele fragen sich, ob die Grenze nicht geschlossen wird, sobald sie die andere Seite erreicht haben. Falls es nur vorübergehend ist, sollten sie besser gehen oder bleiben? Andere eilen mit Koffern zu den Grenzübergängen. Diese Gelegenheit ist zu schön, um nicht wahrgenommen zu werden.

Für andere ist es eher die Neugier, den „Nachbarn von gegenüber“ zu sehen, die sie dazu treibt, sich auf die Seite der Freiheit zu begeben. „Wenn wir nicht in einer Stunde zurück sind, heißt es, dass wir im Westen sind!“ rufen sie. Die Aufregung elektrisiert die Luft in einer letzlich sehr herzlichen Stimmung. Durch die Menschenmenge überfordert, öffnen die Grenzsoldaten, die ohnehin die Überprüfung der Personalausweise nicht mehr durchführen können, die Absperrungen.

Entlang der Mauer wiederholen sich nach und nach Szenen von Umarmungen und des Wiedersehens. Wo bisher Menschen für den Traum einer besseren Zukunft als in der düsteren DDR ihr Leben riskierten, geht man jetzt einfach auf die andere Seite, wobei dies das Scheitern eines Systems symbolisiert, dass durch Gewalt gezwungen war, seine Bürger zurückzuhalten.  

Nach 28 Jahren Trennung ist der Empfang auf der anderen Seite der Mauer entsprechend herzlich und festlich. Die West-Deutschen lassen auf der Straße die Korken knallen. Diejenigen, die in den Osten zurückkehren, ermutigen die anderen, sich ebenfalls auf den Weg zu machen. Man erkennt sie, die „Ossis“, anhand ihrer Kleidung, ihrem verwirrten Blick, geblendet durch das, was solange erhofft wurde und sich gerade vor ihren Augen abspielt.

Indessen entfernen sich nur wenige von der Nähe der Mauer. Das blasse Licht der Straßenlaternen, die in diesen menschenleeren Bereichen der Mauerumgebung geschlossenen Kneipen verleiten nicht dazu, lange bleiben zu wollen. Auf diejenigen, die in die Stadt gehen, wartet der Jubel. Die breite Allee wimmelt von Berlinern, die gekommen sind um das Ende dieser erdrückenden Trennung ihrer Stadt zu feiern. Jedes Überqueren der westlichen Grenze durch ein Auto löst einen Ausbruch des Jubels und den Beifall der Menschenmenge aus. Am späten Abend wird dann auch das Brandenburger Tor durchquert. Pickel und Hacken greifen nun schon die Mauer an und jeder möchte ein Stück Mauer als Andenken behalten, obwohl sie dadurch gleichzeitig zerstört wird.  

Einige Jugendliche haben es so eilig, auf die andere Seite zu kommen, dass sie die Mauer in Richtung Freiheit erklimmen. Derartig lange Jahre des Verbots haben nicht die Begeisterung der Berliner auf ein Wiedersehen erschüttern können. West-Berlin feiert.

Wenn man in den Osten zurückkehrt, ist man von der Ruhe ergriffen. Im Osten sind die ersten Stunden der ersten Freiheitsnacht sehr ruhig. Vieilleicht haben die Berliner solange warten müssen, dass sie es vorziehen, diese Freiheit bei Tageslicht zu genießen, aus Angst, der Traum könnte zerbrechen?

Morgen werden die politischen Fragen gestellt. Werden sie die Grenzen für immer offen halten? Bedeutet dieses Ereignis gleichzeitig das Ende des Kommunismus? Nach dieser unermesslichen Welle der Begeisterung wird es schwer sein, die Dinge rückgängig zu machen. Berthold Brecht hatte mit seinen Worten Recht: „Mit der Zeit siegt das fließende Wasser über das Gestein“.

 

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