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- Allgemeine und berufliche Bildung in Europa
Ausbildung und Bildung
Die Verträge von Rom sahen ursprünglich keine gemeinschaftliche Zuständigkeit auf dem Gebiet der allgemeinen und beruflichen Bildung vor. Erst im Vertrag von Maastricht tauchten die Begriffe Bildung, Studierende oder berufliche Bildung im europäischen Wortschatz auf. Begonnen, auf dem Gebiet der Bildung Maßnahmen zu ergreifen, hat die Europäische Union allerdings bereits vor 1992, wie es das 1987 geschaffene ERASMUS-Programm beweist.
Seit 2010 wird die gemeinschaftliche Tätigkeit auf dem Gebiet der allgemeinen und beruflichen Bildung von EU-Kommissarin Androulla Vassiliou (Zypern) geleitet. Zu ihren weiteren Aufgabenbereichen zählen Kultur, Mehrsprachigkeit und Jugend
BiographieDie Europäische Union unterstützt die Zusammenarbeit der Mitgliedsstaaten im Bereich der Bildungspolitik, ergänzt deren Tätigkeit und fördert innovative Verfahren. Dabei erkennt sie den einzelnen Mitgliedsstaaten die volle Verantwortung für Bildungsinhalte und Gestaltung ihres Bildungssystems zu und achtet deren kulturelle und sprachliche Vielfalt.
Zielstellung
Die EU trägt zur Entwicklung einer qualitativ hochwertigen Bildung sowie zur Umsetzung einer gemeinsamen Berufsbildungspolitik bei. Ihre wichtigsten Ziele sind unter anderem (siehe Art. 165 AEUV):
- die Entwicklung der europäischen Dimension im Bildungswesen, insbesondere durch Erlernen und Verbreitung der Sprachen der Mitgliedstaaten;
- die Förderung der Mobilität von Lernenden und Lehrenden, nicht zuletzt durch die Förderung der akademischen Anerkennung von Diplomen und Studienzeiten;
- die Förderung der Zusammenarbeit zwischen Bildungseinrichtungen;
- der Ausbau des Informations- und Erfahrungsaustauschs zu Fragen bezüglich der Bildungssysteme der Mitgliedstaaten;
- die Förderung des Ausbaus des Jugendaustauschs und des Austauschs sozialpädagogischer Betreuer und verstärkte Beteiligung der Jugendlichen am demokratischen Leben in Europa;
- der Ausbau der Fernlehre.
Die fünf konkreten Zielvorgaben der Lissabon-Strategie (2001–2010) für allgemeine und berufliche Bildung:
Senkung der Anzahl der 15-jährigen Jugendlichen mit schlechter Lesekompetenz um mindestens 20 %; Senkung des EU-Durchschnitts vorzeitiger Schulabgänger auf unter 10 %; Abschluss der Sekundarstufe II für 85 % aller 22-Jährigen; Erhöhung der Hochschulabschlüsse in mathematischen, naturwissenschaftlichen und technischen Fachrichtungen um mindestens 15 % bei gleichzeitiger Reduzierung des Geschlechterungleichgewichts in diesen Bereichen; Teilnahme von durchschnittlich 12,5 % aller Erwachsenen (25- bis 64-Jährige) an Maßnahmen zum lebenslangen Lernen.Im Rahmen des Programms zur allgemeinen und beruflichen Bildung 2010 hatte die EU sich mehrere konkrete Ziele gesteckt. Da diese (bis auf das Ziel bezüglich Mathematik, Naturwissenschaften und Technik) nicht erreicht wurden, legte der im März 2009 verabschiedete strategische Rahmen für die europäische Zusammenarbeit auf dem Gebiet der allgemeinen und beruflichen Bildung („ET 2020“) neue Zielvorgaben für 2020 fest:
- Mindestens 95 % der Kinder im Alter zwischen vier Jahren und dem gesetzlichen Einschulungsalter sollen in den Genuss einer Vorschulbildung kommen.
- Der Anteil der 15-Jährigen mit mangelnden Leistungen in den Bereichen Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften soll unter 15 % liegen.
- Der Anteil frühzeitiger Schulabgänger soll weniger als 10 % betragen.
- Mindestens 40 % der 30- bis 34-Jährigen sollen einen Hochschulabschluss besitzen.
- Durchschnittlich mindestens 15 % der Erwachsenen (25- bis 64-Jährige) sollen am lebenslangen Lernen teilnehmen.
Funktionsweise
Wie alle anderen Politikbereiche, in denen die EU „Maßnahmen zur Unterstützung, Koordination und Ergänzung“ durchführen kann, fällt der Bereich der allgemeinen und beruflichen Bildung unter die Zuständigkeit der einzelnen Mitgliedsstaaten. Die EU kann unterstützend wirken, insofern ihre Aktion nicht auf eine Angleichung der nationalen Gesetzgebung abzielt. Für die Bildungspolitik sind in erster Linie die Mitgliedsstaaten zuständig. Gemäß dem Subsidiaritätsprinzip fördert die EU deren Zusammenarbeit und Koordination (Methode der offenen Koordinierung) und kann, wenn nötig, deren Maßnahmen ergänzen.
In jedem Fall muss die EU einerseits die kulturelle und sprachliche Vielfalt der Mitgliedsstaaten berücksichtigen und andererseits Bildungsinhalte und Gestaltung des Bildungssystems deren vollen Verantwortung überlassen.
Letztlich bietet die Europäische Union im Bereich der allgemeinen und beruflichen Bildung einen Rahmen, der nationalen Behörden und europäischen Interessenvertretern eine Kooperation zur Verbesserung ihrer Bildungspolitik und den Austausch von bewährten Verfahren ermöglicht (Peer-Learning-Aktivitäten zwischen einzelnen, an spezifischen Themen interessierten Mitgliedsstaaten; Expertengruppen).
Eine weitere Aufgabe der Union besteht in der Umsetzung von Finanzierungsprogrammen, die von der Europäischen Kommission entwickelt und verwaltet werden. Die verschiedenen gemeinschaftlichen Initiativen im Bereich der allgemeinen und beruflichen Bildung werden im Programm für lebenslanges Lernen (2007 – 2013) zusammengefasst. Weitere Fonds fördern zum Beispiel den Austausch mit Drittländern.
Seit Inkrafttreten des Vertrags von Lissabon wird der Großteil der europäischen Maßnahmen im Bereich der allgemeinen und beruflichen Bildung nach dem ordentlichen Gesetzgebungsverfahren vom Europäischen Parlament und dem Rat nach Anhörung des Wirtschafts- und Sozialausschusses und des Ausschusses der Regionen verabschiedet.
Finanzierung
2010 werden dem Programm für lebenslanges Lernen 1,15 Mrd. Euro zur Verfügung gestellt. Die Generaldirektion Bildung und Kultur verfügt über ein Gesamtbudget von rund 1,5 Mrd. EuroDas Programm für lebenslanges Lernen für den Zeitraum 2007 2013 ist das wichtigste Finanzierungsprogramm im Bereich der allgemeinen und beruflichen Bildung.
Mit einem Budget von insgesamt 7 Mrd. Euro finanziert es eine Reihe von Projekten und Aktivitäten, die die Förderung des Austauschs, der Kooperation und der Mobilität zwischen den Bildungssystemen der einzelnen Mitgliedsländer zum Ziel haben.
Anwendungsbeispiele
In der Praxis bedeutet das Europa der allgemeinen und beruflichen Bildung vor allem:
- Ein Programm für lebenslanges Lernen, das sich aus verschiedenen Unterprogrammen zusammensetzt:
Agence Europe Education Formation France
Die in Bordeaux ansässige Agentur ist die französische Zweigstelle der Europäischen Kommission zur Verwaltung der dezentralisierten Aktion auf dem Gebiet des lebenslangen Lernens. Sie veröffentlicht Aufforderungen zur Einreichung von Vorschlägen, bietet Kandidaten und Projektträgern technische Unterstützung an, organisiert die Zusammenstellung und Verwaltung von Dossiers, teilt finanzielle Mittel zu und gewährleistet die Qualitätssicherung der Projekte.
websiteLeonardo da Vinci zielt auf die Förderung der beruflichen Bildung ab. Gymnasiasten, Auszubildenden und in Weiterbildung bzw. Umschulung befindlichen Beschäftigten wird der Zugang zu Unternehmenspraktika erleichtert; Fachkräfte aus dem Bereich der Berufsbildung können bewährte Verfahren austauschen.
Erasmus finanziert mobilitätsbezogene Aktionen für Studierende (Auslandsstudium, Praktikum im Ausland), Dozenten und Hochschulpersonal. Erasmus erleichtert ebenfalls die Zusammenarbeit von Universitäten und Hochschulen.
Grundtvig finanziert Maßnahmen im Bereich der Erwachsenenbildung, insbesondere in Form von Partnerschaften, Netzwerken und transnationalen Austauschen.
Comenius unterstützt die Zusammenarbeit zwischen europäischen Schulen, von der Vorschule bis zum Gymnasium (Partnerschaften, Lehrerbildung, Schülermobilität …)
Das Querschnittsprogramm umfasst vier Schwerpunktaktivitäten: politische Zusammenarbeit und Innovation, Förderung des Sprachenlernens, Entwicklung innovativer Praktiken auf Basis von Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) sowie Verbreitung und Nutzung der all diese Bereiche betreffenden Projektergebnisse.
Das Programm Jean Monnet ist speziell auf Fragen der europäischen Integration an Hochschuleinrichtungen ausgerichtet. Es unterstützt akademische Einrichtungen und Verbände, die europaweit im Bereich der allgemeinen und beruflichen Bildung tätig sind.
- Mehrere Programme für Beziehungen zu Drittländern:
Das Programm Erasmus Mundus erleichtert die Mobilität der besten Studierenden aus Drittstaaten sowie die Mobilität von Studierenden europäischer Universitäten in diese Länder.
Das Programm Tempus organisiert die Zusammenarbeit von Hochschuleinrichtungen der EU-Mitgliedsstaaten und 27 Ländern aus dem Mittelmeerraum, dem westlichen Balkan, Osteuropa und Zentralasien.
Das Programm für Zusammenarbeit mit Industrieländern (USA, Kanada, Japan, Neuseeland, Australien, Südkorea …) unterstützt die studentische Mobilität mit finanziellen Mitteln.
- Spezifische Maßnahmen und Instrumente zur europaweiten Harmonisierung der allgemeinen und beruflichen Bildung
Das Prinzip der akademischen Anerkennung von Diplomen basiert auf der gegenseitigen Anerkennung von Diplomen, die in einem anderen Mitgliedsstaat erworben wurden. Das europäische System zur Übertragung und Akkumulierung von Studienleistung (ECTS) ermöglicht europäischen Studierenden, ihr Studium in einem anderen europäischen Land weiterzuführen, ohne dadurch benachteiligt zu werden.
Der 2004 ins Leben gerufene Europass ist ein Dokument, mit dem die Qualifikationen und Kompetenzen der EU-Bürger europaweit besser verständlich gemacht werden sollen. Unter einem europaweit einheitlichen Format werden dabei alle innerhalb verschiedener EU-Länder erworbenen Qualifikationen und Fähigkeiten aufgeführt..
Außerdem bietet die EU Unterstützung bei der europaweiten Reform der Hochschulbildung (Lehrpläne, Hochschulführung, Finanzierung), die sich in erster Linie in der Umsetzung des Bologna-Prozesses ausdrückt. An dieser zwischenstaatlichen Initiative zur Schaffung eines Europäischen Hochschulraumes sind mittlerweile 47 Staaten des Europarates beteiligt. Angestrebt wird eine Harmonisierung der unterschiedlichen Hochschulsysteme in einem einheitlichen dreistufigen System – Bachelor, Master, Promotion.
Das Informationsnetz zu Bildungssystemen und -politiken in Europa, Eurydice, wurde 1980 gegründet und strebt durch Informationsaustausch und Vergleich einschlägiger Bildungspraktiken eine intensivere Zusammenarbeit auf europäischer Ebene an. Diverse gemeinschaftliche Netzwerke dienen der Verbreitung von Analysen und Informationen: Eurydice: europäisches Bildungsinformationsnetz; Enic/Naric: Netzwerk der nationalen Informationszentren zur akademischen Anerkennung von Diplomen und Studienleistungen; Eurodesk: hauptsächlich in Jugendinformationszentren zu finden, berät junge Menschen in Europa zu Mobilitätsfragen.
Im Februar 2008 wurde der Europäische Qualifikationsrahmen für lebenslanges Lernen verabschiedet. Damit sollen nationale Qualifikationen europaweit besser verständlich gemacht werden.
- Austausch von Informationen, Analysen, bewährter Verfahren sowie die Aufstellung gemeinsamer Ziele durch die Mitgliedsstaaten und die europäischen Institutionen im Bereich der allgemeinen und beruflichen Bildung.
Nützliche Links
Allgemeine und berufliche Bildung – Europäische Kommission
Bildung, Ausbildung, Jugend - Europa
PLOTEUS, Portal für Lernangebote in ganz Europa – Europäische Kommission
EURYDICE, Informationen zu Bildungssystemen und -politiken in Europa
Europäisches Jugendportal – Europäische Kommission
elearning, Portal zur Förderung von Informations- und Kommunikationstechnologien für die allgemeine und berufliche Bildung
EU-Bildungsprogramm für lebenslanges Lernen in Deutschland, Gemeinsame Internetseite der Nationalen Agenturen im Programm für lebenslanges Lernen in Deutschland
Mise à jour : 17/05/10



















