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1985-1991

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1985-1991: Neubelebung Europas Version française Version anglaise

 

14. Juni 1985: Unterzeichnung des Schengener Abkommens

Der gemeinsame europäische Markt schaffte die Warenkontrollen an den Grenzen der Mitgliedsstaaten schrittweise ab. Doch die Personenkontrollen wurden beibehalten. Anfang der 80er Jahre entstand der Plan, aus den Benelux-Ländern (innerhalb derer bereits keine Personenkontrollen mehr bestanden), Frankreich und Deutschland einen Raum des ungehinderten Personenverkehrs zu bilden. Das Abkommen zwischen den fünf Ländern wurde am 14. Juni 1985 im luxemburgischen Schengen unterzeichnet. Später wurde es in den EG-Vertrag integriert und auf die anderen Mitgliedsstaaten erweitert.

 

14. Juni 1985: Das Weißbuch von Jacques Delors

Der kurz vorher zum Präsidenten der EG-Kommission ernannte Franzose Jacques Delors stellte den Staats- und Regierungschefs der Mitgliedsländer 310 Maßnahmen vor, durch welche der Binnenmarkt vollzogen werden sollte. Denn trotz der offenen Grenzen verhinderten noch viele verwaltungstechnische Vorschriften den völlig ungehinderten Warenverkehr. Delors war überzeugt, das Wirtschaftswachstum in Europa werde sich wieder beleben, wenn erst einmal die letzten Barrieren gefallen seien. Er wollte dieses Ziel bis zum Stichtag des 31. Dezember 1992 erreichen und die EG arbeitete nun auf dieses Datum hin.

1. Januar 1986: Erweiterung der EG durch Spanien und Portugal

Durch ihre diktatorische Staatsform waren Spanien und Portugal dem Aufbau Europas fern geblieben. Nach Francos Tod und Salazars Sturz konnten die beiden Länder, die nun auf dem Weg zur Demokratie waren, Anspruch auf eine Eingliederung in die europäische Familie erheben. Nach langen Verhandlungen – aufgrund der wirtschaftlichen Befürchtungen, die durch diese Erweiterung hervorgerufen wurden – traten Spanien und Portugal am 1. Januar 1986 in die Europäische Gemeinschaft ein und hoben somit die Mitgliederzahl auf zwölf an.

17. Februar 1986: Unterzeichnung der Einheitlichen Europäischen Akte

Zum ersten Mal seit dem Inkrafttreten der Römischen Verträge, mit welchen die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft eingerichtet worden war, beschlossen die Zwölf, sie zu überarbeiten. Die Funktionsweise der Institutionen wurde abgeändert: Die Beschlüsse des Rates in Angelegenheiten des Binnenmarktes wurden nun nicht mehr einstimmig, sondern mehrheitlich gefasst, die Rolle des Europäischen Parlaments wurde verstärkt. Diese Änderungen waren zum Teil dazu bestimmt, entsprechend dem Programm von Jacques Delors den Binnenmarkt zu vollziehen.


Die Einheitsakte heißt so, weil die Änderungen des EG-Vertrags und die vertragliche Grundlage für eine außenpolitische Zusammenarbeit in ein und derselben Akte zusammengefasst wurden.

15. Juni 1987: Einführung des Erasmus-Programms

1987 beschloss die EG-Kommission, Maßnahmen zu treffen, um die Mobilität der Studenten an europäischen Hochschulen zu vereinfachen. Das Programm erhielt den Namen des Humanisten Erasmus von Rotterdam, der für seine Reisen und seine Aufgeschlossenheit berühmt war. Seit der Entstehung des Erasmus-Programms konnten 1,2 Millionen Studenten einen Teil ihres Studiums im Ausland absolvieren. Das Kulturphänomen Erasmus steht heute für den europäischen Geist.

 

3. Oktober 1990: Die deutsche Wiedervereinigung im Rahmen der Europäischen Gemeinschaft

1989 stieß der unerwartete Fall der Berliner Mauer die internationale Ordnung um, die seit dem Zweiten Weltkrieg bestanden hatte. Ein Jahr später war Deutschland wieder vereinigt. Für die Europäische Gemeinschaft handelte es sich hierbei nicht um eine neue Erweiterung, sondern um eine Ausdehnung der Bundesrepublik Deutschland. Es war also kein Beitrittsprozess nötig, sondern nur ein paar institutionelle Änderungen, um die neue Dimension Deutschlands mit einzubeziehen.


Bei den europäischen Staaten warf die Wiedervereinigung durchaus Befürchtungen auf: Würde das vereinigte Deutschland sich nun zugunsten einer Neutralitäts- oder gar einer Machtpolitik im Alleingang von der EG abkehren? Helmut Kohl bewies jedoch sein europäisches Engagement, indem er die weitere politische Integration durch den Vertrag von Maastricht akzeptierte.