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1974-1984

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1974-1984: Krisenbewältigung Version française Version anglaise

 

9./10. Dezember 1974: Gipfel von Paris

Vor dem Hintergrund der Ölkrise kamen die Staats- und Regierungschefs der Neun auf Einladung des kurz vorher gewählten französischen Präsidenten Valéry Giscard d’Estaing in Paris zusammen. Auf dem Gipfel von Paris wurde, parallel zu den im EG-Vertrag vorgesehenen Institutionen, der Europäische Rat gegründet: Von nun an trafen sich die europäischen Staatsoberhäupter mindestens drei Mal jährlich, um gemeinsam die großen politischen Orientierungen festzulegen. Weiterhin wurde entschieden, das Europäische Parlament zukünftig durch Direktwahl zu bestimmen. Um die Zusammenarbeit noch zu vertiefen, beauftragten die neun Mitglieder Léo Tindemans mit der Reflexion über die Gründung einer Europäischen Union, die über das Stadium der wirtschaftlichen Integration hinausgehen sollte.

 

28. Februar 1975: Erstes Lomé-Abkommen

In den 60er Jahren konnten die ehemaligen französischen Kolonien in Afrika durch das Yaoundé-Abkommen an die europäische Wirtschaftsentwicklung angeschlossen werden. Mit dem Beitritt Großbritanniens kamen nun auch die 20 unabhängigen Commonwealth-Staaten in den europäischen Schoß. Dies bedeutete eine Wende in der europäischen Kooperationspolitik.
Das Lomé-Abkommen garantierte den freien Zugang zum Gemeinsamen Markt für die Erzeugnisse aus 46 AKP-Staaten (Afrika, Karibik, Pazifik). Entwicklungs-Hilfsgelder wurden ebenfalls zuerteilt, insbesondere zur Unterstützung der Agrarproduktion. Die Handelspräferenz, die den AKP-Staaten gewährt wurde, sollte lange Zeit eine Säule der europäischen Entwicklungshilfe bleiben.

 

7. Juli 1978: Entstehung des Europäischen Währungssystems

Nachdem der Europäische Wechselkursverbund in den 70er Jahren infolge der überhöhten Spannungen zwischen den europäischen Währungen mehrmals aufgebrochen war, hatte er 1978 praktisch einen toten Punkt erreicht.
Frankreich und Deutschland waren überzeugt, die Währungsschwankungen müssten unbedingt eingedämmt werden, um die europäische Wirtschaft wieder anzukurbeln. So beschlossen sie die Einrichtungeines neuen Währungssystems, das dem Europäischen Wechselkursverbund in seiner Funktionsweise sehr ähnlich und für alle EG-Mitgliedsstaaten offen sein sollte. Das Europäische Währungssystem (EWS) stellte sich als erfolgreicher als der Wechselkursverbund heraus: 1983 traf der französische Präsident François Mitterrand, der eigentlich zu einer Abbruchpolitik geneigt war, die ausschlaggebende Entscheidung, beließ Frankreich innerhalb des EWS und intensivierte somit seine europäische Verankerung.

 

10. Juni 1979: Erste Direktwahl des Europäischen Parlaments

Wie beim Gipfel von Paris 1974 beschlossen, wurde das neue Europäische Parlament durch eine Direktwahl bestimmt. Doch die Wahlbeteiligung lag in allen Mitgliedsstaaten kaum über 40% und die Wahl wurde, wie auch später oft, weitgehend durch nationale Themen entschieden. Die Französin Simone Veil übernahm die Leitung einer noch wenig strukturierten Institution, die über wenig Macht verfügte.
Doch durch seine neue demokratische Rechtmäßigkeit sollte das Europäische Parlament schnell seine Kompetenzen erweitern. Heute ist es neben dem Rat der Europäischen Union zu einem eigenständigen Gesetzgeber der EU geworden.

 

1. Januar 1981: Griechenland wird EG-Mitglied

Griechenland war bereits seit 1961 ein Partner der EG, stand jedoch nach dem Staatsstreich von 1967 in diplomatischer Isolation. 1974 näherte sich das Land nach dem Sturz der Militärdiktatur und der Rückkehr zur Demokratie wieder an Westeuropa an. Griechenland stellte den Antrag auf die EG-Mitgliedschaft im Jahr 1975, musste jedoch seinen wirtschaftlichen Rückstand aufholen, bevor es 1981 das zehnte Mitglied der Europäischen Gemeinschaft werden konnte.

 

25./26 Juni 1984: Der Europäische Rat in Fontainebleau beendet die Haushaltskrise

Seit Monaten stritten die zehn Mitgliedsstaaten über das zukünftige EG-Budget. Die Briten fanden ihren Beitrag zu dem von der GAP dominierten Haushalt zu hoch. Die unerbittliche Margaret Thatcher verlangte für ihr Land immer wieder einen gerechten Ausgleich (mit den berühmten Worten: „I want my money back!“ – ich will mein Geld zurück).


Dank der zunehmenden Einigkeit zwischen François Mitterrand und Helmut Kohl kam es in Fontainebleau schließlich zum Kompromiss: Die Finanzierungsmittel der Gemeinschaften wurden erhöht, die Finanzierung der GAP reduziert und Großbritannien bekam einen Teil seines Beitrags von seinen Partnern zurückerstattet. Seit damals wird den Briten ein Beteiligungsrabatt zugestanden (der berühmte „britische Scheck“).