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1945-1956

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1945-1956: Die Anfänge des europäischen Aufbaus Version française Version anglaise

 

7.-10. Mai 1948: Haager Europakongress

Angespornt vom Wunsch, die Vereinigung  Europas zu fördern, trafen verschiedene pro-europäische Strömungen in Den Haag zusammen. Etliche Politiker waren anwesend und Winston Churchill führte den Ehrenvorsitz. (1946 hatte der ehemalige britische Premier ein leidenschaftliches Plädoyer für die Vereinigten Staaten von Europa gehalten.) Eine Folge dieses Kongresses war am 25. Oktober in Brüssel die Gründung der Europäischen Bewegung International, eine geistige Strömung, aus welcher zahlreiche treue Verfechter des europäischen Gedankens hervorgehen sollte.



16. April 1948: Entstehung der OEEC

Drei Jahre nach dem Kriegsende in Europa beschlossen die USA, den interessierten Ländern ein massives Hilfsprogramm zur Finanzierung ihres Wiederaufbaus anzubieten, den so genannten Marshallplan. Die Organisation für Europäische Wirtschaftliche Zusammenarbeit (OEEC), die ihren Sitz in Paris hatte, übernahm die Verteilung der amerikanischen Hilfsgelder. 1961 wurde sie in die Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) überführt. Die OECD wurde inzwischen auf die großen Schwellenländer erweitert und zählt heute 31 Mitgliedsstaaten.

4. April 1949: Entstehung der NATO

Mit dem im März 1948 unterzeichneten Brüsseler Vertrag schlossen sich Frankreich, Belgien, Luxemburg, die Niederlande und Großbritannien zu ihrer gemeinsamen Sicherheit zu einem Bündnis zusammen. Ein Jahr später traten sieben weitere Länder zu den „Brüsseler Fünf“ und sie bildeten gemeinsam die Nordatlantikpakt-Organisation (NATO), ein militärisches Bündnis gegen eine eventuelle sowjetische Bedrohung. Die Bundesrepublik Deutschland trat 1955 nach dem Scheitern der EVG bei. Die NATO zählt heute 28 Mitgliedsstaaten in Europa und Nordamerika.



5. Mai 1949: Entstehung des Europarats

Im Anschluss an den Haager Europakongress bildeten die europäischen Regierungen den Europarat, auf den ein Jahr später die Europäische Menschenrechtskonvention und der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte folgten. Der Europarat hat seinen Sitz in Straßburg und erzielte beträchtliche juristische Errungenschaften, insbesondere im Bereich der Menschenrechte. Doch seine Rolle in der Vereinigung Europas ist eher bescheiden: Der Europarat wird durch seine Funktionsweise beschränkt, denn Entscheidungen können nur mit Zustimmung aller Mitglieder getroffen werden.

9. Mai 1950: Der Schuman-Plan


Am 9. Mai 1950 gab der französische Außenminister Robert Schuman im Salon de l’Horloge am Quai d’Orsay eine Erklärung ab, die den von Jean Monnet ausgearbeiteten Plan zur Zusammenlegung der Kohle- und Stahlproduktion unter einer gemeinsamen Obersten Aufsichtsbehörde darlegte. Durch die gemeinsame Nutzung der zur Wiederaufrüstung nötigen Rohstoffe suchte der Schuman-Plan einen neuen Krieg zwischen Frankreich und Deutschland zu verhindern. So konnte sich auch die Bundesrepublik Deutschland unter der Regierung Konrad Adenauers im westlichen Lager stabilisieren.

 

18. April 1951: Unterzeichnung des Vertrags zur Gründung der EGKS

Zu der aus dem Schuman-Plan entstandenen Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS), auch bekannt unter dem Namen Montanunion, gehörten die Bundesrepublik Deutschland, Italien, Frankreich, Belgien, die Niederlande und Luxemburg. Indem sie ihre Kohle- und Stahlproduktion zusammenlegten, ersetzten Frankreich und die Bundesrepublik nur fünf Jahre nach Kriegsende ihre einstige Rivalität und Feindseligkeit durch solidarische Interessen. Eine weitere Innovation der EGKS: Die Organisation wurde durch eine supranationale Behörde verwaltet, was mit der Tradition der zwischenstaatlichen Erfahrungen brach.

 

30. August 1954: Frankreich lehnt die EVG ab

Die französische Nationalversammlung wollte den Vertrag über die Europäische Verteidigungsgemeinschaft, der am 27. Mai 1952 auf Initiative René Plevens und der französischen Regierung unterzeichnet worden war, nicht ratifizieren. Die EVG wurde nie verwirklicht. Die auf dem Modell der EGKS aufgebaute Organisation hatte Europa und insbesondere Deutschland unter gemeinsamem Befehl wieder aufrüsten sollen. Die Zurückweisung erklärt sich durch eine vorübergehende Lockerung des Kalten Kriegs sowie durch die ablehnende Haltung der Öffentlichkeit gegenüber einer Wiederaufrüstung Deutschlands. Deshalb wurde das militärische Europa vor allem unter Schirmherrschaft der NATO aufgebaut.

 

Juni 1955: Die Konferenz von Messina

Die sechs Mitgliedsstaaten der EGKS zogen aus dem Scheitern der EVG eine Lehre und beschlossen, die europäische Integration im wirtschaftlichen Bereich fortzusetzen. Sie übertrugen einem Komitee unter dem Vorsitz von Paul-Henri Spaak die Aufgabe, die potentielle Bildung eines gemeinsamen Binnenmarktes zu untersuchen. Der europäische Aufbau, der im italienischen Messina wieder belebt wurde, führte zwei Jahre später zur Unterzeichnung der Römischen Verträge.